Titelbild Pfarrei Heilig Geist

Kirche und Kapellen in Villmar

Kirche St. Peter und Paul

1281 wird die Villmarer Kirche „Basilica“ genannt. Im 16. Jh. gab es 5 Altäre; 1657 wurde ein neuer Hochaltar geweiht, dessen Lahnmarmor-Mensa teilweise erhalten ist (heute im Pfarrgarten). Von 1728 stammt das heute noch benutzte Taufbecken aus Lahnmarmor. Wegen Baufälligkeit wurde die alte Kirche 1746-49 durch einen barocken Neubau unter Baumeister Thomas Neurohr ersetzt. Die Innenausstattung (1750-64) ist ein Meisterwerk des Hadamarer Barocks (Johann Theodor Thüringer, Jakob Wies).

1884 wurde der durch Blitzschlag zerstörte barocke Turmhelm durch eine neugotische Spitze ersetzt. Ende des 19. Jh. erhielt die Kirche umfangreiche Arbeiten aus Lahnmarmor (Altäre, Fußböden, Kommunionbänke). Die durch Zuzug der Heimatvertriebenen nach dem 2. Weltkrieg gewachsene Gemeinde machte einen Anbau mit neuer Orgelempore erforderlich, der 1956/57 auf der Westseite errichtet wurde. In den beiden Kapellen unter der Empore befinden sich eine spätgotische Kreuzigungsgruppe (ca. 1480/90) und eine Lourdes-Madonna (1898).

Kirchenführer (PDF)

Kapellen

Sowohl im Ort wie in der Gemarkung Villmar finden sich Kapellen - insgesamt sind es sieben: Vier freistehende Kapellen im heutigen Ortsbereich, eine Hauskapelle und zwei Hofkapellen.

Vogteikapelle:
Die Vogteikapelle (Bild oben ganz rechts) gehört zum 1154 erstmals erwähnten Vogteihof Traisfurt und wurde wahrscheinlich schon vor 1350 erbaut. Um sie vor dem Verfall zu retten, wurde sie 1982 unter der Trägerschaft des Verschönerungsvereins baulich erneuert. Die Mitglieder des „Bundes Vertriebener Deutscher, Ortsverband Villmar“ stiften zur Ausschmückung des Innenraumes eine Pieta als Erinnerung an die verlorene Heimat und die Vertreibung im Jahre 1946. Die Vogteikapelle ist Ziel der Marienwallfahrt mit Kräuterweihe am Sonntag nach Mariä Himmelfahrt.

Kreuzkapelle Oberheiligenhaus:
Die Kreuzkapelle „Oberheiligenhaus“, auch „Brecher Kapelle“ genannt (Bild oben 2. v. l.), befindet sich am südlichen Ortsausgang nach Niederbrechen. Sie ist die älteste Kapelle im Villmarer Ortsbering und wird erstmals im Jahr 1669 erwähnt, sie scheint aber deutlich älter zu sein. So nennt eine weitere Urkunde im Zusammenhang mit einem „Heilighauß“ in Villmar das Jahr 1563. Sie steht an der alten Straßenkreuzung des Weges von Villmar nach Niederbrechen und dem Limburger Weg, einer mittelalterlichen Straßenverbindung von Limburg zur alten „Heerstraße“ auf die sie auf dem Villmarer Galgenberg stößt. Ein Flurplan um 1740 zeigt dieses „Heilighauß“ und eine weitere Kapelle am Weg Richtung Aumenau durch die „Wieshohl“, vor dem Wiesentor an der Abzweigung des Arfurter Wegs. Diese wurde „Wieskapelle genannt“ und wich Mitte des 19. Jh. der Siedlungserweiterung des Ortes.

Kriegergedächtniskapelle:
Im Jahr 1772 stifteten Christianus und Anna Maria Schlosser eine offene Totenkapelle auf dem Kirchhof an der Mauer zur „Windgasse“ (Zehntenstraße). 1905 wurde sie zur Missionskapelle umfunktioniert und die beiden barocken Sandsteinfiguren (Maria und Johannes) in die Kreuzkapelle Oberheiligenhaus gebracht. 1926 wurde die Kapelle für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges als Kriegerehrenmal eingeweiht. 1960 sie neu gestaltet und um eine weitere Gedenktafel für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges ergänzt. Die Sandsteinfiguren kehrten nach Sanierung der Kreuzkapelle im Jahr 2000 an ihren ursprünglichen Standort zurück.

Arfurter Kapelle:
Diese Kapelle (Bild oben ganz links) lag am namensgebenden Arfurter Weg und dürfte vor 1800 erbaut worden sein. Auf einer Landkarte von 1819 erscheint sie erstmals. Ursprünglich in den ortsnahen Feldern gelegen, befindet sie sie sich heute in einem Baugebiet aus den 1960er Jahren. Der Eingang wurde von der Ost- auf die Westseite verlegt. Im Jahr 1994 wurde sie durche einen LKW-Unfall total zerstört und nach Wiederaufbau im alten Stil 1996 neu eingeweiht. Die Pieta von Bildhauer Walter Schmitt überstand den Unfall ohne größere Schäden. Von 1898 bis 1952 befand sich die barocke Pieta der Pfarrkirche (dort befand sich dann auf dem Muttergottesaltar die Lourdes-Madonna) in der Arfurter Kapelle.

Lorettokapelle:
Nach Abbruch der Wieskapelle ließ Pfarrer Johannes Ibach 1876 ein Stück oberhalb am Weilburger Weg eine neue Kapelle zu Ehren der seligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria erbauen (Bild oben 2. v. r.) und mit einem schönen Marmoraltar ausstatten. Sie ist die zweitgrößte Kapelle in Villmar und bietet 25 Sitzplätze. 1897 erhob der Bischof von Loreto diese zu einer Lauretanischen Kapelle und verlieh ihr fünf vollkommene Ablässe. Heute finden hier in den Marienmonaten Mai und Oktober Maiandachten und Rosenkranzandachten statt.

Kapelle im Schwesternhaus:
Das neue Haus für die barmherzigen Schwestern zu Dernbach zur Krankenpflege und Betreuung nicht schulpflichtiger Kinder wurde 1903/04 unter Dekan Ibach auf dem Platz der 1879 abgebrannten Kornscheuer errichtet. Zunächst befand sich die Hauskapelle im erste Stock in der Südwestecke des Hauses - heute noch erkennbar an den spitzbogigen Fenstern zur Lahnseite. 1908 erhielt sie eine Ausmalung durch den Limburger Kirchenmaler Gisbert Hartmann und Kunstschreiner Jungnitsch aus Hofen fertigte den Altar. Nach Fertigstellung des Anbaus zum Schwesternhaus wurde die Kapelle 1929 in das Erdgeschoss im den Raum des Kindergartens verlegt, der im Neubau einen neuen größeren Raum fand. Als größte Kapelle in Villmar bietet sie ca. 40 Sitzplätze. Der Weggang der Dernbacher Schwestern 1986 führte nicht zum Ende der gottesdienstlichen Nutzung. Neben regelmäßigen Andachten an den Herz-Jesu-Freitagen ist seit den 1960er Jahren die Evangelische Kirchengemeinde Runkel alle 14 Tage mit ihrem Sonntagsgottesdienst für den Ort Villmar in der Schwesternhauskapelle zu Gast. Die Gemeinde hat den Raum vor einigen Jahren mit einer kleinen Pfeifenorgel ausgestattet. Schon seit 1947 wurden die evangelischen Gottesdienste im Kindergarten des Schwesternhauses gefeiert - ein schönes Zeichen gelebter Ökumene.

Hofkapelle Gladbach:
Die kleine Kapelle zwischen dem Ober- und Untergladbacher Hof stammt aus neuerer Zeit. Die Hofstelle wird erstmals 1154 erwähnt und gehörte wie der Hof Traisfurt zur Vogtei. Später wurden die beiden Höfe eine hessische Staatsdomäne. Heute ist der Gladbacher Hof ein Lehr- und Versuchsbetrieb für ökologischen Landbau der Justus-Liebig-Universität Gießen.